Manchmal muss man dem Leser einfach wichtige Hintergrundinformationen zukommen lassen. Bei einem Fantasy-Epos kann das besonders schnell zu langweilig wirkenden Informationsblöcken führen. In diesem Beitrag möchte ich dir zeigen, wie du diese Falle einfach umgehst und dein Buch besonders ansprechend wird.

 

1. Dialoge, statt Beschreibungen

Zuerst geht es um eine einfache Weisheit, die ich leider erst sehr spät einsah: Leser lieben Dialoge. Obwohl ich selbst den meisten Spaß am Schreiben und Lesen von Dialogen habe, ging ich früher sehr spärlich mit dieser Form der Charakterinteraktion um. Das war ein großer Fehler. Dialoge lockern die Stimmung auf, geben den Figuren mehr Lebhaftigkeit und lassen sich meist sehr angenehm lesen. Außerdem kann man in ihnen sehr natürlich viele Informationen wiedergeben.

Schließlich weiß nicht jeder Charakter über alles Bescheid. Es ist besser, wenn sich Charaktere gegenseitig Informationen weitergeben als wenn man diese dem Leser direkt vorpredigt. Aber Achtung, hier liegt eine große Gefahr. Schnell ist man dazu verleitet, die Charaktere einfach jede Information erzählen zu lassen. Das wirkt oft unnatürlich und nicht wirklich professionell.

Hier ein einfaches Beispiel:
Vorher:
Hugo sucht einen roten Monstertruck.

Simpler Diaglog:
Hugo: „Wie sieht das Auto aus?“
Bernd: „Es ist ein roter Monstertruck.“

Besser:
Hugo sagte: „Ich weiß nicht, wie wir das Auto finden sollen.“
„Es gibt sicher nicht viele rote Monstertrucks in der Gegend.“, antwortete Bernd.

Mit zusätzlicher Tiefe:
Mit zusammengekniffenen Augenbrauen fluchte Hugo: „Ich muss den Idioten finden, der über mein Auto gerollt ist.“
Bernd legte seine Hand auf dessen Schulter und meinte erbost: „Diese riesen Reifen haben es ganz schön geplättet. Sein Truck wird nicht mehr das einzige rote sein, wenn wir ihn erst gefunden haben.“
„Beruhige dich, Bernd. Die Polizei wird sich um ihn kümmern. Ein Monstertruck wird in der Stadt wohl kaum erlaubt sein.“
„Du hast ja recht.“, erwiderte Bernd und atmete tief durch.

So haben wir aus einer einzigen Zeile einen einigermaßen ansprechenden Dialog werden lassen. Dieser gibt den Informationen mehr Gewicht und schafft eine kleine emotionale Bindung zu diesen. So besteht eine größere Chance, dass sich der Leser die Informationen wirklich merkt und sie abrufen kann, wenn es wichtig wird. Deshalb sollte man wichtige Informationen nicht einfach hinschreiben, sondern sie wirklich in die Buchwelt einbinden.

Es gilt, wie immer: Show, don’t tell. Beschreibe möglichst oft bildlich was passiert und erkläre nicht einfach, was der Leser zu wissen und zu denken hat. Der Stil und die Formatierung liegen aber vollkommen in deiner Hand. Die richtige Balance aus Erklären und Zeigen kann einen großen Reiz an deinem Schreibstil ausmachen.

 

2. Ansprechend verpacken

Selbstverständlich sind Dialoge nicht die einzige Option. Manchmal reicht es vollkommen aus, wenn man Informationen einfach durch den Erzähler oder die Gedanken des Protagonisten wiedergibt. Eine bildliche Sprache ist hier sehr zu empfehlen. Mit Worten kann man wirklich Bilder malen. Wenn man die Vorstellungskraft des Lesers anregt und, wie bei den Dialogen, eine emotionale Bindung herstellen kann, dann hat man sein Ziel erreicht.

Diese Methode ist vielleicht nicht so einfach, wie das Schreiben von Dialogen, aber ist in der Regel etwas „effizienter“. Das heißt, dass man hierfür weniger Zeilen benötigt. Trotzdem lassen sich Dialoge in der Regel schneller und entspannter lesen. Deshalb empfehle ich einen Mix aus beiden Arten, bei dem die Anzahl an Dialogen überwiegen sollten.

In einigen Fantasy-Büchern gibt es einen langen Prolog, der die Hintergrundgeschichte der Welt und Charaktere auf diese Weise erklärt. Im besten Fall ist dieser spannend geschrieben und man erhält wichtige Einblicke in die komplexe Laufbahn der Protagonisten. Obwohl die Verpackung in einen Prolog besser ist, als das gesamte erste Kapitel in eine Informationsflut zu verwandeln, rate ich hiervon trotzdem ab – zumindest wenn du einen wirklichen langen Prolog planst.

Viele Leser könnte es abschrecken, wenn sie sich erst durch 10 Seiten arbeiten müssen, bevor sie zu wirklichen Geschichte kommen. Manche mögen allerdings die zusätzliche Tiefe. Wie man diesen Lesern den gewünschten Mehrwert bieten kann, erkläre ich bei Punkt 5. Lieber den Grundaufbau in wenigen Worten zusammenfassen und dann direkt mit der Geschichte starten. Die meisten werden es in Ordnung finden, wenn man dort noch einige rein informative Sätze findet. Schließlich möchte man sich in die Buchwelt einfinden. Doch damit es nicht zu viel wird, kommen wir direkt zum nächsten Punkt.

 

3. Kürzen und zusammenführen

Manchmal schreibt man einfach darauf los und packt alles auf die Seiten, das einem gerade einfällt. Das ist auch gut so und vor allem bei Fantasy-Autoren eine gute Methode, um die Welt auszudefinieren. Über die Erstellung von Fantasy-Welten habe ich ebenfalls bereits im Detail geschrieben. Wenn man sich dann aber später noch einmal das Geschriebene mit einem kritischen Blick ansieht, dann stellt man oft schnell fest, dass vielleicht nicht alle Informationen wirklich wichtig für den Verlauf der Geschichte sind. Auch wenn es weh tut, sollte man diese Informationen vielleicht lieber aussparen und sich anderswo notieren, damit man sie nicht vergisst.

Dadurch verhindert man, dass eine halbe Buchseite nur aus Maßangaben für den tollen Tempel besteht, den man mühevoll entworfen hat. Es ist vielleicht wichtig, dass man selbst weiß, dass der Protagonist 1,80 Meter groß ist und die Tür nur 10 Zentimeter hoch, aber für den Leser reicht ein einfaches: „Nur sein Fuß passte durch diese Mausetür.“

Auf der anderen Seite kann man außerdem auch manchmal einige Informationen zusammenführen. Dafür muss man stets ein offenes Auge haben, aber es kann den eigenen Schreibstil maßgeblich verbessern. Beispielsweise:

Vorher:
Das Auto ist rot und fährt auf der Straße vor ihr vorbei. Amelie wollte schon immer so eines haben.

Zusammengeführt:
Amelies roter Traumwagen fuhr an ihr vorbei.

Mit solchen kleinen Aufwertungen ist der Text nicht nur kompakter, sondern das Buch liest sich auch viel schöner. Aber es gibt noch eine weitere Option, falls man weder kürzen noch zusammenführen möchte.

 

4. Verteilen

Man kann einige Informationen auch umverteilen. Generell rate ich dazu, dass der Leser die Informationen nur dann bekommt, wenn er sie wirklich braucht. Ausgenommen sind natürlich Handlungsstränge die darauf beruhen, dass der Protagonist eine Information viel früher bekommen hatte. Dann sollte der Leser diese natürlich auch bereits dort bekommen. Man muss sie dann nur gegebenenfalls noch einmal auffrischen.

Ich rede hier von Dingen, die jetzt noch keinerlei Relevanz haben und auch keine Hinweise auf zukünftige Ereignisse sind. Ist es beispielsweise am Anfang des Buches wichtig, was das es zehn Hofdiener gibt, wenn du erst in der Mitte des Buches erzählt, das sich sieben von ihnen nachts zum Markt schleichen? Bis dahin hat der Leser diese kleine Randinformation vielleicht schon wieder vergessen. Verrate dem Leser die Anzahl der Hofdiener dann, wenn du verrätst wie viele von ihnen sich des Nachts zum Markt schleichen. Vielleicht hilft hier auch eine kleine Umformulierung: „Nur ein Drittel der Hofdiener schlich diese Nacht nicht zum Markt. Emil musste sie dazu befragen, was die anderen umtrieb.“

Auch Zusatzinformationen, die du dem Leser zu deiner Welt geben möchtest, auch wenn sie vielleicht nicht relevant für die Geschichte sind, kannst du verteilen. Wenn du beispielsweise einige Hintergrundinformationen zu einer Stadt einbauen möchtest, dann kannst du diese Informationen auf verschiedene Stellen verteilen. Bestimmt kommt diese Stadt nicht nur einmal vor. Eventuell besucht dein Held sie sogar mehrmals. Dann kannst du ihr bei jedem Besuch mehr Fleisch geben.

In Kombination mit den anderen Methoden kann das dein Buch wirklich auffrischen und verhindert die Unterbrechung deiner Geschichte. Das erfordert in einigen Fällen ein gewisses Maß an Vorausplanung, weshalb ich dir empfehle, deine Notizen stets zur Hand zu haben. Schreibe dir auf, was du unterbringen möchtest und wann es am besten in die Geschichte passen könnte. So kannst du die größtmögliche Wirkung erzielen.

 

5. Auslagern

Nun zum Zusatzpaket. In meinen Büchern und hier auf der Website findest du ein Glossar. Dieses enthält nicht nur die wichtigsten Informationen der Buchwelt, die man im Laufe der Geschichte enthält, sondern auch eine Reihe an zusätzlichem Wissen. Hierhin kann man all die herausgekürzten Informationen verlagern und als Leser sein Wissen auffrischen. Vor allem bei komplexen Fantasy-Welten mit vielen ungewöhnlichen Namen und Bezeichnungen kann das wirklich helfen.

Allerdings macht die Erstellung eines Glossars viel Arbeit. Man muss immer darauf achten, dass man nicht zu viel verrät und die Informationen auch mit dem Geschriebenen übereinstimmen. Ich pflege persönlich ein Glossar in dem wirklich alle Informationen enthalten sind. Aus diesem entnehme ich dann die Einträge teilweise in die bucheigenen Glossare.

Das ist ein tolles Extra, wenn man als Leser einen Begriff vergessen hat oder man als Autor in der eigenen Buchhistorie recherchieren möchte. Woher stammte nochmal dieser Charakter? Was ist das Besondere an dieser Stadt? Wie blickte die Welt auf dieses Ereignis?

Der Umfang und die Art des Glossars liegt in deiner Hand. Vielleicht möchtest du die Zusatzinformationen aber auch auf andere Weise auslagern. Wie wäre es mit einem Podcast oder einer Videoreihe in der du mehr Hintergrundinformationen gibst? Oder eventuell möchtest du auch in deinem eigenen Blog darüber schreiben? Ich denke, dass man so einen wertvollen Einblick in die Arbeitsweise der Autoren bekommen kann und sieht, wie viele Gedanken hinter einigen Kleinigkeiten stecken können. Außerdem möchten Fans oft ohnehin mehr über die liebgewonnene Welt erfahren und freuen sich über mehr Hintergrundwissen.

 

Mit all diesen kleinen und großen Entscheidungen kann man das eigene Werk raffinieren und dem Leser ein tolles Erlebnis bereiten. Anfangs können diese Gedanken noch wirklich fordernd sein, aber mit etwas Übung wird man viele dieser Tipps ganz automatisch befolgen, so wie du es vielleicht bereits tust. Falls dir mein Beitrag gefallen hat und du vielleicht einen bestimmten Themenwunsch hast, dann schreibe mir gerne eine Nachricht, folge mir auf Social Media (@stubenvogel) oder abonniere meinen Newsletter.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und Schreiben!

Mit dem Newsletter wirst du immer über die neusten Beiträge informiert

und kannst die ersten 100 Seiten von "Die Legende von Kados: Eine letzte Reise"  gratis herunterladen.

 

Medienschaffender und Autor der Buchreihe "Die Legende von Kados" sowie der Beiträge dieser Website.